Centro Cultural Brasil – Alemanha (CCBA)
Brücken bauen zwischen Brasilien und Deutschland
Das Centro Cultural Brasil – Alemanha (CCBA) mit Sitz in Recife, der Hauptstadt des brasilianischen Bundesstaates Pernambuco, gehört seit mehr als drei Jahrzehnten zu den wichtigsten zivilgesellschaftlichen Organisationen für die deutsch-brasilianische Zusammenarbeit im Nordosten Brasiliens. Das CCBA wurde 1990 von ehemaligen Stipendiatinnen und Stipendiaten Deutschlands als gemeinnütziger Verein gegründet, an dem das Goethe-Institut, das deutsche Generalkonsulat in Recife und der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) institutionell beteiligt sind. Auf dieser Basis versteht sich das CCBA heute als Plattform für Bildung, Kultur, Wissenschaft und nachhaltige Entwicklung.
Netzwerkbildung und Zusammenarbeit mit brasilianischen Partnern in der Region und in Deutschland
Im Mittelpunkt der Arbeit des CCBA steht die Überzeugung, dass internationale Zusammenarbeit nicht allein auf staatlicher Ebene stattfindet, sondern vor allem durch den direkten Austausch und die Kooperation zwischen Menschen, Bildungseinrichtungen, Kommunen, Unternehmen und zivilgesellschaftlichen Organisationen entsteht. Das CCBA arbeitet heute auf brasilianischer Seite mit den wichtigsten Universitäten des Bundesstaates Pernambuco, Berufsbildungszentren, der Landesregierung, NGOs der Region bis hin zu Frauengruppen und indigenen Völkern zusammen, während auf deutscher Seite im Bereich der Fachkräftevermittlung für die Kranken- und Altenpflege zahlreiche Krankenhäuser und soziale Organisationen wie beispielsweise die Diakonie Leipzig Partner in verschiedenen gemeinsam entwickelten Projekten sind. Im Umweltbereich zählen die NGO Brasilieninitiative Freiburg e.V. und die Organisation atmosfair gGmbH zu den wichtigsten deutschen Partnern. Daneben steht das CCBA im Austausch unter anderem mit der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ), dem Fraunhofer-Institut ISE (Chile) und dem Deutschen Biomasseforschungszentrum in Leipzig (DBFZ).
Deutschunterricht und die Vorbereitung von brasilianischen Fachkräften auf Arbeit und Leben in Deutschland
Ein zentraler Tätigkeitsbereich des CCBA ist Deutsch als Fremdsprache (DaF). Das CCBA bietet Deutschkurse auf allen Niveaustufen (A1 bis C1) an, sowohl in Präsenz als auch online. Die insgesamt 10 Lehrkräfte der Einrichtung werden regelmäßig durch das Goethe-Institut fortgebildet und arbeiten mit modernen Lehrwerken sowie ergänzenden eigenen Materialien. Als anerkanntes Prüfungszentrum des Goethe-Instituts und Testzentrum des TestDaF-Instituts ermöglicht das CCBA den Erwerb international anerkannter Sprachzertifikate, die für Studium, Berufsausbildung, Fachkräfteeinwanderung und wissenschaftliche Zusammenarbeit von großer Bedeutung sind.
Auswahl und Vorbereitung von über 300 brasilianischen Pflegefachkräften
Im Jahre 2018 begann das CCBA seine Tätigkeit im Bereich der Auswahl und Vorbereitung brasilianischer Pflegefachkräfte für die Arbeit und das Leben in Deutschland. Insgesamt wurden bis heute bereits mehr als 300 Pflegekräfte vom CCBA sprachlich und landeskundlich vorbereitet. Nachdem die Arbeit des CCBA anfangs nur in Sprachkursen und der Durchführung der erforderlichen Sprachprüfungen bestand, unterstützt das CCBA heute deutsche Partner in einer umfassenden Weise bei der Durchführung des Auswahlprozesses mit einer zielgerichteten Öffentlichkeitsarbeit, bei der Vorbereitung und Durchführung der Auswahlgespräche in Recife in Präsenz oder online und dann natürlich mit einem sieben- bis neunmonatigen intensiven Sprachkursprogramm (Präsenzkurse im CCBA). Parallel dazu übernimmt das CCBA das gesamte Dokumentenmanagement auf brasilianischer Seite. Was den Prozess der Anwerbung brasilianischer Pflegefachkräfte betrifft, kann das CCBA seinen deutschen Partnern heute über das Sprachkursprogramm hinaus eine umfassende Unterstützung „von der Anwerbung bis zur Ausreise“ anbieten. Projektpartner des CCBA waren und sind unter anderem VITREA Klinik Schloss Pulsnitz, Lausitzer Seenland Klinikum Hoyerswerda, Herzzentrum Dresden, Oberlausitz-Kliniken gGmbH Bautzen und die ZAV der Bundesagentur für Arbeit.
Ausbildungsprojekt Pflege – eine Win-win-Perspektive für Sachsen und Brasilien
Auf Initiative des CCBA konnte im Jahr 2024 gemeinsam mit der Diakonie Leipzig und der Westsachsen Stiftung ein Projekt für junge BrasilianerInnen entwickelt werden, die in Sachsen nunmehr ihre Ausbildung zur Pflegefachkraft machen. Die jungen Leute haben nach elf Schuljahren ihren Abschluss an öffentlichen Schulen gemacht und stammen vorwiegend aus unterprivilegierten Schichten der Bevölkerung. Dieses erfolgreiche Projekt, das sich bereits im dritten Durchgang befindet, liegt dem CCBA ganz besonders am Herzen, da es jungen und sehr motivierten Menschen aus Pernambuco durch ein intensives Vorbereitungsprogramm im CCBA und eine hochwertige Berufsausbildung in Deutschland Chancen für einen sozialen Aufstieg bietet und dabei gleichzeitig die Versorgung mit Fachkräften in der Pflege in Deutschland verbessert.
Neben der Arbeit im Bereich der Pflegefachkräfteauswahl und -vorbereitung kümmert sich das CCBA also auch um zukünftige Auszubildende in der Pflege, wobei der Fokus wiederum auf Sachsen liegt, wo bereits vielfältige und mehrjährige Kontakte und Kooperationen des CCBA bestehen.
Akademischer und wissenschaftlicher Austausch
Das CCBA engagiert sich weiterhin im Bereich des akademischen Austauschs. Dabei informiert das Kulturzentrum in enger Zusammenarbeit mit dem Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) über Austauschprogramme, Studien- und Forschungsmöglichkeiten in Deutschland, begleitet Bewerberinnen und Bewerber und unterstützt Kooperationen zwischen Hochschulen beider Länder unter anderem durch die Veranstaltung von Workshops und Tagungen, im Rahmen derer deutsche, brasilianische und internationale WissenschaftlerInnen und Studierende miteinander in Kontakt gebracht werden. Das CCBA kann dafür auf ein breites Netzwerk ehemaliger KursteilnehmerInnen zurückgreifen, die heute beispielsweise als Professorinnen und Professoren an verschiedensten Universitäten arbeiten oder auch als Fachleute in der öffentlichen Verwaltung und freien Wirtschaft.
Im Laufe der letzten Jahre ist es dem CCBA durch die Organisation verschiedener wissenschaftlicher Veranstaltungen gelungen, relevante Impulse in den Themenbereichen Wissenschaftsgeschichte, Geschichte, Ethnologie und Klimaforschung zu geben und einige Buchpublikationen zu ermöglichen.
Kulturelle Programmarbeit
Neben Bildung und Wissenschaft nimmt die Kulturarbeit einen wichtigen Platz ein. Das CCBA legt großen Wert auf eine prozessorientierte kulturelle Programmarbeit, bei der über einzelne Veranstaltungen wie Vorträge, Ausstellungen, Filmreihen, Konzerte, Diskussionsveranstaltungen und Workshops hinaus eine gemeinsame Entwicklung von Projekten mit örtlichen KünstlerInnen, Künstlerkollektiven und Kulturorganisationen im Vordergrund steht. Thematische Perspektiven sind unter anderem die Stärkung von Demokratie, Menschenrechten, zivilgesellschaftlicher Beteiligung, Wiederbelebung des Stadtzentrums, nachhaltige Mode und urbane Lebensstile.
Im Rahmen der Veranstaltungsreihe des Kulturforums werden Themen und Herausforderungen der zeitgenössischen Gesellschaften in Deutschland und Brasilien unter verschiedenen Blickwinkeln betrachtet und diskutiert. Das CCBA unterstützt den Austausch zwischen deutschen und brasilianischen Filmfestivals und auch deutsch-brasilianische Filmkoproduktionen.
Im Rahmen der langjährigen kulturellen Programmarbeit konnte das CCBA auch mit wichtigen brasilianischen Künstlern und Kulturmittlern wie dem Filmregisseur Kleber Mendonça oder auch dem ehemaligen Kurator der Kunstbiennale in São Paulo, Moacir dos Anjos, zusammenarbeiten und verfügt heute über vielfältige Kontakte und einen kontinuierlichen Austausch in der Kulturszene.
Globale Herausforderungen: Klimaschutz, Stärkung der Biodiversität, Ernährungssouveränität
Im März 2017 veranstaltete das CCBA einen Workshop zum Thema „Desafios Climáticos: Aviação Civil – perspectivas para diminuição de impactos ambientais e compensações“ (Klimapolitische Herausforderungen: Die zivile Luftfahrt – Perspektiven für eine Reduzierung ihrer Auswirkungen auf die Umwelt und CO₂-Kompensationen). Am Workshop nahmen neben dem brasilianischen Klimaforscher Carlos Nobre auch Vertreter der Organisation atmosfair gGmbH und des Auswärtigen Amtes teil. Gemeinsam mit VertreterInnen verschiedener NGOs, indigener Völker und Universitäten wurden Perspektiven für deutsch-brasilianische Kooperationen ausgelotet. Für das CCBA wurde der Workshop zum Ausgangspunkt für eine konsequente Intensivierung und Ausweitung seiner Projekte in den Bereichen Klimaschutz, Biodiversität, ressourcenschonende Landwirtschaft und Ernährungssouveränität.
Dem CCBA gelang es nach dem Workshop, in Zusammenarbeit mit der deutschen NGO Brasilieninitiative Freiburg e.V. in den Jahren 2018–2020 ein vom BMZ gefördertes entwicklungspolitisches Kleinprojekt zu Agrarökologie und alternativen Energien in vier Munizipien von Pernambuco durchzuführen, die in der Trockenzone (Sertão) im Landesinneren liegen.
Gemeinsam mit deutschen und brasilianischen Partnern schuf das CCBA 2020 das Projekt AGREGA – Agrarökologie mit alternativen Energien für alle, in dessen Rahmen innovative Ansätze für eine nachhaltige Entwicklung ländlicher Regionen im Nordosten Brasiliens entwickelt werden. Mit aktiver Beteiligung der lokalen Bevölkerung, darunter auch indigene Völker, verschiedener Universitäten und Berufsschulzentren konnten bereits einige wichtige Modellprojekte in den Bereichen a) Agriphotovoltaik, b) nachhaltige Fischzucht, c) Aquaponik, d) kleinräumige Bewässerung, e) Kompostierung und f) Herstellung und Nutzung von Pflanzenkohle aus Kokosnussschalen geschaffen und erprobt werden.
Als Impulsgeber und Koordinator dieser Aktivitäten und Kleinprojekte kommt dem CCBA eine wichtige Rolle zu, indem das CCBA durch Vernetzung relevanter Akteure dazu beiträgt, Antworten auf die Herausforderungen des Klimawandels zu finden und die Lebensbedingungen der armen Landbevölkerung zu verbessern.
Das CCBA als Brückenbauer zwischen Brasilien und Deutschland/Europa
Die Arbeit des CCBA zeichnet sich besonders dadurch aus, dass unterschiedliche Themenfelder miteinander verknüpft werden. Sprachförderung, Auswahl und Vorbereitung von brasilianischen Fachkräften, wissenschaftlicher Austausch, Kulturarbeit, agrarökologische Projekte und Klimaschutz werden integriert und bilden gleichzeitig vielfältige Anknüpfungspunkte für Kooperationen mit Kommunen, Hochschulen, Stiftungen, Unternehmen, Verbänden und Nichtregierungsorganisationen in Deutschland.
Deutschen Partnern steht mit dem CCBA ein erfahrener Ansprechpartner mit umfangreicher lokaler Vernetzung in Pernambuco und im Nordosten Brasiliens zur Verfügung. Die Organisation verfügt über langjährige Erfahrungen in der Entwicklung und Durchführung internationaler Projekte, in der Organisation von Austauschprogrammen sowie in der Zusammenarbeit mit öffentlichen Institutionen und der Zivilgesellschaft beider Länder.
Vor dem Hintergrund der wachsenden Herausforderungen in den Bereichen Fachkräftebedarf, Klimaschutz, Biodiversität und internationale Bildungskooperation möchte das CCBA bestehende Partnerschaften vertiefen und neue Kooperationen aufbauen. Gemeinsam mit deutschen Partnern sollen innovative Projekte entwickelt werden, die einen nachhaltigen Mehrwert für beide Seiten schaffen und den deutsch-brasilianischen Austausch mit Leben erfüllen.
Das Centro Cultural Brasil – Alemanha versteht sich daher nicht nur als Sprach- und Kulturzentrum, sondern als Brücke zwischen Brasilien und Deutschland, getragen von der Überzeugung, dass gegenseitiges Vertrauen, Bildung, kultureller Dialog und gemeinsames Engagement für nachhaltige Entwicklung die Grundlage einer zukunftsweisenden internationalen Zusammenarbeit bilden.
Ihr Ansprechpartner im CCBA:
Christoph Ostendorf, Direktor
christoph[a]ccba.org.br
Centro Cultural Brasil – Alemanha (CCBA)
Rua do Sossego, 364 – Boa Vista
50.050-080 – Recife – PE
Brasilien